Samstag, 23. Mai 2009

Goldbären, Schwarzbären und „Blaubären“

Gummibärchen. Es gibt sie in sechs verschiedenen Farben: Grün, Dunkelrot, Hellrot, Gelb, Orange und Weiß.
Wodurch die sechs Farben jeweils erzielt werden, kann ich nicht genau sagen, da Haribo mir mitteilte, dass sie mir nicht die genauen Kombinationen aus Frucht- und Pflanzenkonzentrate, die für die "Goldbären"-Farben verantwortlich sind mitteilen könnten, weil diese unter das Rezepturgeheimnis fallen.
Diese Auflistung von Frucht- und Pflanzenkonzentraten finden wir auf der Rückseite einer Gummibärchenpackung:

Frucht- und Pflanzenkonzentrate: Brennnessel, Apfel, Spinat, Kiwi, Orange, Holunderbeere, Zitrone, Mango, Passionsfrucht, schwarze Johannisbeere, Aronia, Traube

Ich vermute, dass Brennnessel und Spinat hauptsächlich für die Färbung grüner Bärchen verantwortlich sind.
Zudem könnten durch Orange, Mango und Zitrone orangene oder gelbe Gummibärchen erzielt werden.
In roten Gummibärchen könnte die schwarze Johannisbeere für die Farbe sorgen.
Weiße Bärchen enthalten wahrscheinlich gar keine Färbung.
Anhand der am Seitenende abgebildeten Tabelle kannst du feststellen, welche Geschmacksrichtung welcher Gummibärchenfarbe zugeordnet ist.


Dir ist bis hierhin bestimmt aufgefallen, dass an mancher Stelle die Rede von „Goldbären“ ist.
„Goldbär“ ist ein anderer Ausdruck für Gummibärchen, denn 1922 wurde erstmals ein Gummibärchen von Hans Riegel Senior hergestellt und dieses war gelb sowie auch seine Nachfolger bis nach ein paar Jahren fünf andere Farben bzw. Geschmacksrichtungen folgten.
Welche Farbe aber nicht folgte ist das Blau.
Warum gibt es keine blauen Gummibärchen und hat es überhaupt jemals irgendwo welche gegeben?
Eine Ursache dafür, dass es keine blauen Gummibärchen gibt, könnte damit zusammenhängen, dass Lebensmittel mit der Farbe Blau mit nicht essbar oder verdorben assoziiert werden.
Allerdings gebe es bestimmt genug Leute, die aufgrund der Lieblingsfarbe Blau auch zu den blauen Gummibärchen greifen würden.
Warum gibt es keine blauen Gummibärchen, während Haribo doch auch blaue Schlümpfe mit blauer Farbe produziert?
Auf die Frage, warum Haribo nicht auf die gleiche Art und Weise auch den Gummibärchen blaue Farbe verleiht, teilten sie mir mit, dass eine Verbraucherumfrage Anlass dazu gegeben hatte, seit 1989 Gummibärchen nur noch mit Frucht- und Pflanzenextrakten zu färben.
Es gibt aber keine Frucht oder Pflanze; Heidelbeere, Brombeere, Fliederbeere und Pflaume eingeschlossen, der man blauen Farbstoff entnehmen kann.
Zwischen 1929 und 1989 wurden die Gummibärchen noch mit künstlichen Farbstoffen gefärbt. Das bedeutet, dass sie durchaus in der Lage waren, blaue Gummibärchen herzustellen.
Als ich Haribo darauf anschrieb, erklärte mir eine Haribo-Mitarbeiterin, dass sie nie Interesse gehabt hätten, blaue Gummibärchen herzustellen, auch in der Zeit nicht, als die "Goldbären" ihre Farbpracht noch durch chemische Farbstoffe erhielten.
Wie man sehen kann widerspricht sich der Grund für die Nicht-Existenz blauer Gummibärchen.
Einerseits meint Haribo, sie hätten nie Interesse an der Herstellung blauer Gummibärchen gehabt und auf der anderen Seite äußern sie, es läge am fehlenden blauen natürlichen Färbemittel. Dass sie nach einem blauen natürlichen Farbstoff gesucht haben zeigt auf, dass sie sehr wohl Interesse an blauen Gummibärchen haben.
Aufgrund dieser Unschlüssigkeit und einer E-Mail der Verbraucher-Service Zentrale, die mich an den Geschäftsleiter Marco Alfter verwies, setzte ich mich mit diesem in Verbindung.
Marco Alfter teilte mir am Telefon mit, es habe zu der Zeit, als noch mit künstlichen Farbstoffen gefärbt wurde, keine blauen Gummibärchen gegeben, weil man einem blauen Gummibärchen den Geschmack einer blauen Frucht hätte geben müssen und es erwiesen war, dass Geschmäcker von blauen Früchten im Gegensatz zu den typischen Gummibärchengeschmacksrichtungen Erdbeere, Himbeere, Zitrone, Apfel, Ananas und Orange nicht so beliebt seien.
Auch sagte er, dass dies unter anderem ein Faktor sei, der verantwortlich dafür ist, dass es heute keine blauen Gummibärchen gibt.
Wichtiger Nachtrag vom 19.03.2009:
Letzten Freitag war ich im Supermarkt Lidl einkaufen und machte dort in der Süßwarenabteilung eine unglaubliche Entdeckung!
Und zwar fiel mir eine Packung Fruchtgummis ins Auge, welche mit der fetten Aufschrift „Ohne künstliche Farbstoffe“ beschriftet war.
Das Besondere aber, das Unglaubliche war, dass sich in dieser Fruchtgummipackung unter anderem auch blaue Fruchtgummis tummelten.
Ich war total baff! Haribos Aussage:
„In der Natur gibt es keine Frucht oder Pflanze, die ein vernünftiges "Blau" hergeben würde. Da wir nur mit Auszügen aus Früchten und Pflanzen unsere Goldbären färben, können wir aus den genannten Gründen keine blauen Goldbären herstellen.“
ist also falsch!
Daraufhin habe ich den Geschäftsleiter erneut angerufen.
Dieser erzählte, die Behauptung, es gäbe keine Frucht oder Pflanze, der man blauen Farbstoff entziehen kann, die Haribo auf seiner Internetseite angibt, wäre nicht mehr aktuell und es wäre längst möglich blaue Gummibärchen herzustellen. Allerdings wäre der passendste Geschmack für ein blaues Gummibärchen, Heidelbeergeschmack, beim Verbraucher nicht beliebt genug.
Komisch, dabei hatte Marco Alfter beim letzten Telefonat noch fest erklärt, es läge an den nicht bekannten natürlichen blauen Färbeverfahren.
Vermutlich möchte Marco Alfter mit dem wirklichen Argument für die Nicht-Existenz blauer Gummibärchen, dass Heidelbeergeschmack beim Verbraucher nicht so beliebt ist, nicht in die Öffentlichkeit treten, weil er sich vor Argumenten dagegen fürchtet.



Eigenherstellung blauer Gummibärchen

Mit dem Wissen, was du bisher hier errungen hast, bist du längst fähig eine eigene Kreation blauer Gummibärchen anzufertigen.
Zunächst möchte ich dir aber berichten, wie ich mit der Herstellung zurechtgekommen bin.
Recherchen im Internet haben ergeben, dass Indigocarmin in der Apotheke zu erwerben ist.
Es lag mir als Pulver vor und 10 Gramm kosteten stolze 13 Euro.
Das fruchtige Aroma der Gummibärchen wollte ich durch Heidelbeersirup erzielen, wovon ich 2 Liter für ungefähr 15 Euro im Internet bestellte (0,5 Liter hätten schon gereicht).
Leider konnte ich keinen Glukosesirup auftreiben. Zur Erinnerung: Glukosesirup ist mit für die Durchsichtigkeit der Gummibärchen verantwortlich.
In einem Fruchtgummirezept aus dem Internet konnte ich das ungefähre Mengenverhältnis von Gelatine und Wasser ersehen.
Zuerst habe ich 30 Gramm Gelatine in etwa 120 Milliliter Wasser eingeschmolzen.
Daraufhin habe ich eine angefeuchtete Zahnstocherspitze ins Indigocarmin getaucht und dieses in die Gelatinemasse untergerührt.
Der Brei schimmerte in schönem Blau, schmeckte aber ein wenig nach dem Farbstoff.
Nun folgten einige Tropfen Heidelbeersirup und ein paar Priesen Zucker.
Fortan schmeckte die Masse recht gut, aber das Lila vom Heidelbeersirup überlag dem Indigocarmin,
Als ich versuchte den Blauton wiederherzustellen, indem ich mehr Indigocarmin hinzufügte, verfärbte sich alles ins dunkle Blau-Schwarz.
Leider ist mir das gleiche auch beim zweiten Herstellungsversuch passiert, denn ich wollte keineswegs auf das passende Heidelbeeraroma verzichten.
Trotz aller Dinge bin ich stolz auf die hausgemachten Schwarzbären.
Ohne Heidelbeersirup ist es hingegen gelungen „Blaubären“ herzustellen.Vielleicht klappt es ein Andermal.



Blaue Farbstoffe

Bisher haben wir nur einen künstlichen blauen Farbstoff kennen gelernt, das Indigocarmin, das Haribo für die Färbung der Schlümpfe verwendet.
Neben Indigocarmin gibt es noch Patentblau V und Brillantblau FCF.
Der Süßwarenhersteller Trolli, der die bekannten sauren Apfelringe herstellt, setzt bei der Färbung einer Fruchtgummikollektion, den blauen Haifischen, auf den Farbstoff Patentblau V.
Auf Promostore.de werden blaue Fruchtgummis mit Brillantblau FCF gefärbt, was mit 8€/5g im Gegensatz zu Indigocarmin mit einem Preis von 15€/10g teuer ist.
Ich entschied mich für das Indigocarmin, weil am billigsten war.
Im Nachhinein fand ich aber heraus, dass Indigocarmin in großen Mengen nicht gut für die Verdauung ist. In Verbindung mit einem Nitrit, wie zum Beispiel Kaliumnitrit, das bei der Wurstproduktion verwendet wird, ist es in großen Mengen auf lange Dauer sogar krebserregend.
Zu Patentblau V habe ich herausgefunden, dass es in den USA, in Norwegen und in Australien verboten ist, da der Verdacht besteht, es könne Allergien auslösen.
Durch Tierversuche wurde nachgewiesen, dass sich Brillantblau FCF bei der Einnahme in extrem hohen Dosen, in Nieren und Lymphgefäßen ablagern kann.




Umfrage in Schleswigs Stadtweg
In einer Umfrage habe ich unter 60 Befragten ermittelt, welche zu einem blauen Gummibärchen passende Geschmacksrichtung die beliebteste ist.
Dazu habe ich in Schleswig 60 Leute befragt.
Alle Befragten waren fest der Meinung, dass sie blaue Gummibärchen essen würden, wenn es welche gäbe.
Ich hatte mir nun gedachte, dass ich mit dieser Umfrage die These von Marco Alfter, dass Geschmäcker von blauen Früchten im Gegensatz zu den anderen nicht so beliebt sind, widerlegen kann.
In meiner Umfrage hatten die Leute Wahl zwischen folgenden Optionen.
- Ich wünsche mir blaue Gummibärchen mit Heidelbeergeschmack
- Ich wünsche mir blaue Gummibärchen mit Brombeergeschmack
- Ich wünsche mir blaue Gummibärchen mit Pflaumengeschmack
- Ich wünsche mir für blaue Gummibärchen eine andere Geschmacksrichtung
- Ich will keine blauen Gummibärchen
Allerdings hätte ich, um die Aussage von Marco Alfter korrekt zu überprüfen, die Leute fragen müssen, ob sie blaue Gummibärchen auch essen würden, wenn sie zusätzlich die Wahl zwischen den bestehenden Gummibärchensorten hätten.
Die richtigen Optionen für die Umfrage wären also gewesen:
- Ich mag am liebsten rote Gummibärchen mit Himbeergeschmack
- Ich mag am liebsten gelbe Gummibärchen mit Zitronengeschmack
- Ich mag am liebsten blaue Gummibärchen mit Heidelbeergeschmack
- Ich mag am liebsten hellrote Gummibärchen mit Erdbeergeschmack
- Ich mag am liebsten grüne Gummibärchen mit Apfelgeschmack
- Ich mag am liebsten weiße Gummibärchen mit Ananasgeschmack